Konzert-Nachschau:
umwege
Beim
Franz-Schubert-Chor war es im April 2014 romantisch:
Lindenbäume, Liebeslust und Liebesleid bekamen ihren
Auftritt im Frühlingskonzert des Chores. Im Mittelpunkt
des Programms stand Franz Schuberts
„Winterreise“. Komponiert für eine
einzelne Singstimme, wurde der Liederzyklus im Laufe
der Zeit zur Lieblingsherausforderung klassischer
Liedinterpreten. Der Franz-Schubert-Chor hat die
bekanntesten Stücke der „Winterreise“ in
einer erst 2010 entstandenen Chorfassung gesungen.
Ungewohnt eindringlich erklang so die Klage des
Wanderers, der seiner enttäuschten Liebe zu entfliehen
versucht und auf seinem Weg durchs Leben nichts als
winterliche Kälte vorfindet.
Doch dem Einsamen antwortete eine andere Stimme, und
diese erzählte von Liebe und Glück, von Blumen und
Nachtigallen. Sie hat aus Heinrich Heines
Gedichtzyklus „Neuer Frühling“
gesprochen, den Rezitator Hans-Christoph Michel im
Wechsel mit den Stücken der „Winterreise“
zu Gehör brachte. Zwei romantische Seelen, die eine
frühlingshochjauchzend, die andere winterlich betrübt,
hielten ein Zwiegespräch. Aber erzählten sie wirklich
von vollkommen unterschiedlichen Erfahrungen? Haben
hier zwei Menschen unterschiedliche Lebenspfade
eingeschlagen? Oder gehen sie zwar auf demselben
gewundenen Lebens-Umweg, aber auf verschiedenen
Teilstücken? Mündet nicht der Winter in den Frühling,
und ist im Frühling der Herbst nicht schon angelegt?
Durch Chorimprovisationen hat der
Franz-Schubert-Chor die beiden Werke miteinander
verbunden, machte Gemeinsamkeiten und Unterschiede
hörbar und ludt dazu ein, in romantischer Musik und
Dichtung neue, aber vielleicht gar nicht so fremde
(Zwischen-)Töne zu entdecken.
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